IRRUNGEN UND VERWIRRUNGEN UNTERWEGS NACH ITHAKA
14.5.2012

"Entstanden ist die von Homer inspirierte Geschichte unter Regie von Leila Haas und einem "Großaufgebot" nicht nur an Mitspielern, sondern auch an Mitmachern hinter der Bühne. … Chapeau für die Leistung aller, inklusive der musikalischen Live-Begleitung. … Auf den Spuren von Odysseus liefen die Mitwirkenden zu Höchstleistungen auf und wuchsen dabei sehr stolz und glücklich über sich selbst hinaus."

Zuwanderer im Zwiespalt der Kulturen 28.10.10

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KASPARS ENKEL                                  14.6.2010

Aus der Kiste in die Selbstbestimmung

AUFFÜHRUNG "Kaspars Enkel" begeistert an drei Schauplätzen im Biebricher Schlosspark

Und das ist dann auch nicht nur das kulturelle, sondern das multikulturelle Zentrum der Landeshauptstadt, denn hier sind viele Nationen versammelt. Auf der Bühne erklingt Ethno-Pop von Ako Karim und Band abwechselnd mit Hip-Hop vom Band. Im Publikum übersetzt ein junger türkischer Mann seinen Eltern die deutschen Dialoge - auch so eine Randerscheinung passt nahtlos zum Stück "Kaspars Enkel", das das bewährte Team Leila Haas und Klaus Huhle mit einer Riesentruppe inszeniert hat. Das Fest entfaltet sich mit Musik und Tanz, bis zur Anlieferung einer großen Kiste per Gabelstapler. In ihr sitzt ein blasser, blondgelockter und vollkommen verstörter Jüngling. Er spricht mit niemandem, schaut nur so voller Angst in die Runde, dass das Fest mit seiner Ankunft plötzlich zu Ende geht. Es ist Kaspar, der keine Sprache und keine Mitmenschen kennt, angelehnt an die mysteriöse Geschichte des Findelkindes Kaspar Hauser... der in ein vielsprachiges Land kommt, in dem er zunächst auch in allen erdenklichen Sprachen angeredet wird: Spanisch und Polnisch, Deutsch natürlich - und auch mit Musik, mit der einem Mädchen der beste Kontakt zu ihm gelingt. Eine vor Ideen strotzende Inszenierung mit unglaublich vielen talentierten, engagierten Mitwirkenden ist Haas und Huhle gelungen. Allein die drei ungewöhnlichen, dem Publikum eigene Aktionen abverlangenden Schauplätze sind eine wunderbare Idee. Und dann die Musiker, die Tänzer, die Traumsequenz mit Artisten, der "Biebricher Chor der Vielfalt", die vielen Kindergruppen - viel, aber nicht zu viel passiert in diesem Stück, das das Thema des Fremden zeitgemäß transportiert...

Wiesbadener Kurier14.06.2010


ZEIT ZU BLEIBEN                                         2.9.2008

Auszug aus der Dankesrede zur Verleihung des Integrationspreises 2008 der Stadt Wiesbaden

Wir haben uns riesig gefreut, daß wir mit Zeit zu bleiben dieses Jahr für den Integrationspreis der Stadt Wiesbaden ausgesucht wurden. Herzlichen Dank an die Jurymitglieder , die sich für uns eingesetzt haben, ein großes Dankeschön an die Stadt und an alle Institutionen, die geholfen haben, daß unsere Vision von Theater am Fluß lebendig geworden ist.
Für uns, Klaus Huhle, Rüdiger Steiner und mich, als Fossile in der Wiesbadener freien Kulturszene ist dieser Preis auch eine Anerkennung für viele Jahre Arbeit darstellt und das tut einfach gut.
Auf den Schnittstellen zwischen Kunst und Theater, zwischen sozialem Engagement und der Suche nach authentischer Kreativität, zwischen Kultur und Kulturen zu arbeiten ist oft ziemlich unbequem. Dennoch war es für uns immer genau das, was wir richtig fanden.
Denn der Schlüssel zu wirklicher und nachhaltiger Veränderung einer Gesellschaft ist Kultur im weitesten Sinne. Schon seit über 50 Jahren ist die bundesdeutsche Gesellschaft eine multikulturelle und wollte es doch lange nicht sein. Unsere Aufforderung, daß es nun Zeit ist, zu bleiben vermag die Komplexität des Themas Migration überhaupt nicht wiederzugeben.
Die intensiven Gespräche und Begegnungen, die wir während der vergangenen zwei Jahre hatten sind ein Spiegel dafür, wie vielfältig das Thema ist.
Zum Thema Wanderung, Völkerwanderung, Migration, Imigration und Auswanderung gehört die Bewegung von einem Ort zum anderen.
Kunst, Theater, Musik oder Tanz sind undenkbar ohne die Wanderung von Menschen und ihren gegenseitigen Befruchtungen. 
Leila Haas


Vielsprachiger Klangteppich

" Laufen, so weit es geht, den Kopf voll, den Kopf frei - Leben ist eine schöne Sache" ist eine jener unkomplizierten Chiffren, in der sich jeder unabhängig von Heimat, Herkunft und Tagesform wiederfinden kann. Und wenn Hikmet anklagt, verlegt er sich auf blumige Vergleiche aus dem Landleben. So spricht er von seinen Brüdern als den Schafen, die sich stolz auf dem Weg ins Schlachthaus in die Herde einreihen und vergleicht sie mit Weintrauben, die bis auf den letzten Tropfen ausgepresst werden. Aus solchen Fundsachen webt die Inszenierung unter Regie von Leila Haas ein einnehmendes Traumbild von der Existenz auf diesem Planeten in aller unschuldigen Einfachheit. ... ohne Ausstattungspomp verwendet die Inszenierung optische Stilmittel vom Maskenintermezzo über das beklemmende Schattenspiel bis zum furiosen Holzschuhballett, um die wechselnden Stimmungen eines sensiblen Autors wiederzugeben.

Frankfurter Allgemeinen Zeitung 09.04.2002


Geil, ein Wanderer zwischen den Zeiten zu sein

- Leila Haas gastierte mit "Pulcinella Viandante" im
Kultur- und Tagungshaus.

Sie geht als Pulcinella mutig durch die Jahrtausende. Dabei ist sie zynisch, tiefsinnig, bissig, einfühlsam, vulgär, intellektuell, makaber und amüsant.

Rheingau Echo 18.10.2000

Die Welt als "Omlette bleu"

- Leila Haas mit neuer Pulcinella- Performance

Unbekümmert sitzt dieser Wanderer die Weltkugel platt, um sie später wieder aufzupusten. Pulcinella widmet sich vor allem dem Menschen als Individuum wie im Kollektiv. Die Performance unter der Regie von Michel Joly ist rasant und konfrontiert. Aber der Zusammenstoß wird gemildert durch die grotesken Verzerrungen ihrer Züge und wirkt in seiner Ernsthaftigkeit doch erheiternd.

Wiesbadener Tagblatt 16.9.2000